Es gab Zeiten, da gab es kein Internet. Da hatte man analoge Telefone. Da musste man entweder in ‘ne Telefonzelle gehen oder zurück nach Hause, wenn man dem Freund oder der Freundin sagen wollte, dass man sich verspätet.

Die Brüder Grimm sind gewandert und haben in den unterschiedlichen Orten zwischen Hanau und Kassel die Märchen gesammelt, die die Menschen ihnen erzählt haben. Sie sind G.E.L.A.U.F.E.N. oder haben eine Kutsche genommen.

Ein Deutschkurs aus der Hosentasche. Geht das denn?

Sind wir heute nicht sehr sehr verwöhnt?

Das Internet, das uns den Zugriff auf jedes beliebige Wort erlaubt, tragen wir in der Hosentasche mit uns herum. Wir können in Null-Komma-Nix ganze Sätze und Texte übersetzen lassen, um etwas zu verstehen, das in der Fremdsprache geschrieben oder gesagt wird. Das Problem ist nur: Wir wissen zwar in dem Moment, was es bedeutet, aber merken tun wir uns das nicht. So funktioniert unser Gehirn einfach nicht. Es muss ein Wort mehrere tausend Male hören und sehen. Der Mensch muss sie dazu auch selber durch Sprechen und Schreiben produzieren, damit er sich daran erinnert. Die Erinnerung ist sehr stark an Assoziationen genüpft, an Aktionen, Situationen, die mit dem Wort oder dem Satz einhergehen. Deshalb ist das Lernen von separaten Vokabellisten und die Umsetzung der gelernten Vokabeln in spontane Äußerungen in einem Gespräch so schwer. In den Vokabellisten fehlen die Assoziationen, Aktionen und Situationen.

Integration und Sprache.

Englisch ist überall präsent, denn alle Welt spricht es. Viele Deutsche sind froh, wenn sie ihr Englisch auffrischen können mit dem Kollegen aus Ägypten, der Nachbarin aus Japan. Und man möchte auch höflich sein, weil man denkt “der Andere kann mich ja (noch) nicht (so gut) verstehen, deshalb mach’ ich es ihm einfacher”. Außerdem ist es auch viel praktischer, denn das geht schneller.

Letztens las ich im Internet den “Hilferuf” einer Person, die schrieb, dass sie seit 3 Jahren in Deutschland lebe und bis jetzt keinen Kontakt mit Deutschen habe. Sie fragte die Community, was sie ihr raten könne, damit sie Freunde finden könne. Alle rieten ihr, die Sprache zu lernen.

Die Sprache des Landes, in dem ich lebe, ist der Schlüssel zur Integration.

Wenn ich es dem Anderen, der meine Muttersprache lernt, ermögliche, diese zu lernen, gebe ich ihm gleichzeitig die Möglichkeit sich zu integrieren. Indem ich versuche es ihm einfach zu machen, indem ich sofort auf Englisch wechsele, NEHME ich ihm beide Möglichkeiten.

Die Fremdsprache gibt uns neben der Möglichkeit, uns zu integrieren, auch Möglichkeiten, uns anders und neu über etwas auszudrücken und somit Dinge neu und anders zu sehen und uns vielleicht auch den ein oder anderen Blick auf UNS SELBST erlauben.

Wie wollen wir Neues kennenlernen, wenn wir es immer durch die Brille der Muttersprache oder durch die des Englischen sehen?

Was können wir über die Fremdsprache ausdrücken, was wir in der Muttersprache nicht oder anders ausdrücken? Diese Erfahrung zu machen, wäre doch mal spannend, oder?