Warum manche Kinder Deutsch verstehen, aber kaum sprechen

Kind im Astronautenkostüm sitzt auf den Schultern seines Vaters und zeigt selbstbewusst nach oben – Sinnbild für Kinder, die in Frankfurt am Main sicher Deutsch sprechen lernen.

Viele Kinder verstehen Deutsch, sprechen aber nur wenig

Wenn Eltern in unsere Sprachschule in Frankfurt am Main kommen, berichten sie uns oft von der gleichen Situation: Ihr Kind versteht im Alltag schon vieles auf Deutsch, spricht aber selbst nur wenig.

Am liebsten antwortet es mit „ja“ oder „nein“ oder in ganz kurzen Sätzen, obwohl es eigentlich mehr sagen möchte und auch könnte. Aber es traut sich nicht, und für längere Sätze fehlt oft die Sicherheit, die passenden Wörter schnell zu finden, während andere Kinder schon weiterreden. Vielleicht lachen sie sogar, und das Kind ist unsicher, ob über etwas anderes gelacht wird oder über seine Antwort, weil es nicht alles versteht oder nicht schnell genug reagieren kann. Genau das möchte das Kind vermeiden.

Gleichzeitig merken Kinder sehr genau, dass andere Kinder besser sprechen können. Sie wollen dazugehören und mithalten, fühlen sich aber unsicher. Um sich nicht zu blamieren, bleiben sie lieber still oder sprechen nur wenig.

Vom Verstehen zum Sprechen: Warum dieser Schritt Zeit braucht

Viele Kinder verstehen schon viele Wörter und oft ganze Gespräche. Sie können die Wörter aber nicht so schnell abrufen, die sie in dem Moment brauchen, um aktiv am Gespräch mit anderen Kindern teilzunehmen. Im Gespräch müssen Wörter schnell verfügbar sein, und genau das braucht Übung – und Übung braucht Zeit.

Auch längere Sätze entstehen Schritt für Schritt. Erst kommen einzelne Wörter, dann kurze Sätze, und nach und nach werden die Aussagen genauer und ausführlicher. Dieser Übergang dauert eine Weile und verläuft bei jedem Kind unterschiedlich schnell.

Wenn Kinder merken, dass sie langsamer sprechen oder nach Wörtern suchen müssen, halten sie sich oft lieber zurück. Sie wollen vermeiden, Fehler zu machen oder ausgelacht zu werden, und sprechen deshalb weniger, obwohl sie eigentlich schon viel verstehen.

Was Kindern hilft, schneller sicherer Deutsch zu sprechen

Doch wie kommt das Kind nun zu der Übung, die es braucht. Wie kann es Wörter, Sätze lernen, die es dann auch spontan benutzen kann? Wie kann es das Vertrauen in sich aufbauen, dass es sprechen kann? Dass es nicht schlimm ist, wenn es etwas falsch sagt, wenn seine Sätze nicht so perfekt wie die der Mitschüler sind, die Deutsch schon viel länger sprechen?

👉 Lesetipp: Antworten auf die häufigsten Fragen findest du auch in unserem Artikel „Deutsch lernen für Kinder in Frankfurt: Wie lernt mein Kind Deutsch sprechen? Elternfragen (Teil1)“.

Hier findest du einige einfache Möglichkeiten, wie du dein Kind im Alltag unterstützen kannst:

Übe keinen Druck aus.

Sag nicht „komm, trau dich doch“, „sprich doch mit den anderen Kindern“. Gib ihm einfach nur die Gelegenheit, sich mit anderen Menschen, egal ob jung oder alt, zu treffen. Wenn dein Kind spricht, ist es gut. Wenn nicht, auch. Frage es nicht „Warum hast du nicht mit den anderen Kinder gesprochen?“ Frage lieber:

✅​ Was hat dir heute mit den anderen Kindern am meisten Spaß gemacht?

✅​ Mit wem hast du heute am liebsten gespielt?

✅​ Hast du heute etwas Neues auf Deutsch gehört?

✅​Gab es heute etwas Lustiges oder Schönes?

✅​ Mit wem möchtest du nächstes Mal wieder spielen?

So merkt das Kind: Es geht darum, dass es sich wohlfühlt und dazugehört. Wenn die Erlebnisse positiv sind, wächst meistens auch von selbst die Motivation, beim nächsten Mal mehr auf Deutsch zu sprechen.

Ein Wunderbar-Journal führen

Darin schreibt es jeden Tag ein oder zwei Dinge, die schön waren. Das kann es in seiner Muttersprache schreiben. Ganz egal was. Du kannst es zwischendurch auch fragen, was es schönes auf Deutsch oder mit der deutschen Sprache gelernt hat. Vielleicht kommt es selber auf die Idee, das zu aufschreiben und sogar auf Deutsch. Aber – gib ihm Zeit.

Filme und Bücher auf Deutsch nutzen

Vielleicht hat es sogar ein Buch, das es bereits in seiner Muttersprache schon kennt und das es jetzt auf Deutsch lesen kann. Aber nicht alles auf einmal, sondern ganz kleine Abschnitte. Schritt für Schritt.

Neue Wörter aus der Schule gemeinsam wiederholen

Frage dein Kind: „Was war heute das beste, interessanteste Wort in der Schule? Übersetze es mir in unsere Muttersprache.“ Schreibt es in ein Heft und sammelt dort alle diese Wörter. Frage es nach zwei Tagen nochmal nach dem Wort. Mach es dir zur Routine, dein Kind zu erinnern. So lernst auch du neue Wörter 😉​

Schöne Situationen auf Deutsch

Lerne selber einen Satz, der etwas Schönes ankündigt, zum Beispiel, wenn ihr auf den Spielplatz geht. Das überrascht dein Kind. Und wenn du es regelmäßig machst, gewöhnt es sich daran. Vor allem merkt es: Auch meine Eltern lernen die Sprache. Du musst keine Gespräche auf Deutsch führen. Aber du kannst einen Impuls setzen, dass Deutsch zum Alltag gehört.

👉 Fazit: Dein Kind braucht eine Umgebung ohne Angst vor Fehlern, ohne zeitlichen Druck, mit Spielen und viel Unterstützung dort, wo es sprachlisch steht: So kann es Schritt für Schritt Wortschatz aufbauen, sich erinnern und Deutsch selbstverständlicher in seinen Alltag integrieren.

Deshalb profitieren viele Kinder besonders von individueller Förderung, in der sie Sprache ohne Druck ausprobieren und Schritt für Schritt sicherer sprechen können.

Wenn ein Kind Deutsch versteht, aber kaum spricht, fehlt oft nicht das Wissen, sondern der Raum, Sprache aktiv zu benutzen. Mit Zeit und positiven Erfahrungen wächst das Sprechen Schritt für Schritt von selbst.

Wie wir Kinder in unserer Sprachschule in Frankfurt am Main dabei unterstützen, zeigen wir auf unserer Seite zu unseren Kindersprachkursen.

Franziska Becker M.A.

Linguistin, Anglistin und Romanistin mit Passion auch für die deutsche Sprache. Gründerin von SprachPassion (seit 2021), mehrjährige Lehrtätigkeit u.a. am Goethe Institut Frankfurt. Mein tolles Team bei SprachPassion bringt dir die Sprache mit großer Leidenschaft bei.

Ich liebe guten Wein, mit Freunden zu essen und Autofahren, obwohl ich gar kein Auto habe und immer mit dem Rad unterwegs bin. Kontakt aufnehmen.


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