Deutsche Artikel-Regeln: DER, DIE, DAS – Jeder kann sie lernen. Die 5 Top-Tipps!

1. Was nützen mir die Artikel? Warum gibt’s die überhaupt?

Wenn es die Artikel nicht gäbe, dann müsste man sie auch nicht lernen. Viele fragen sich deshalb vielleicht „Warum gibt es die Artikel überhaupt?“

Wenn man die Leute fragen würde, ob sie lieber die Sprache mit oder ohne Artikel lernen würden, würden wahrscheinlich die meisten Deutschlerner*innen antworten „ohne“.

Es stimmt, dass wir im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen eben drei statt vielleicht nur einen Artikel haben. Und eine Reihe von Sprachen besitzt überhaupt keine Artikel. Beim Lernen können DER, DIE und DAS deshalb zusätzlich Schwierigkeiten bereiten.

Aber: Die 3 Artikel haben einen großen Nutzen. Man kann mit ihnen – vor allem WEIL man im Deutschen drei zur Verfügung hat – ziemlich genau  beschreiben, um welche Sache oder Person es sich gerade handelt.

Ich bin mit zwei Muttersprachen aufgewachsen, und zwar mit der türkischen der deutschen Sprache. Im Türkischen gibt es wirklich keinen einzigen Artikel. Und Tatsache ist, dass man in der deutschen Sprache alles viel genauer beschreiben kann. Die Genauigkeit ist eben typisch deutsch 🙂

Und das ist auch gut so. Wenn man sagt „der Junge kommt“, dann meint man einen ganz bestimmten Jungen, eben DIESEN EINEN Jungen. Im Türkischen würde es einfach nur heißen „Junge kommt“. Hört sich komisch an, oder? Und außerdem, wen meint man denn da jetzt ganz genau? Den Jungen, der dort steht oder ist es doch der, der gerade dem Bus hinterherrennt? Das weiß man nicht.

Artikel haben also eine bestimmte Funktion und damit einen Sinn, dass es sie gibt.

2. Sind die Artikel wirklich so wichtig? Geht es nicht ohne oder einfach nur mit „de“?

Es gibt Deutschlerner*innen, die sich damit behelfen, pauschal den Artikel „de“ oder „die“ zu benutzen. Oder es gibt Menschen, die sagen, dass die Artikel ja nicht so wichtig sind, weil die Leute sie auch verstehen, wenn sie den falschen Artikel benutzen.

Das stimmt, meistens wird klar, was du meinst, auch wenn der Artikel nicht richtig ist. Aber wenn du das machst, dann verbaust dir jegliche Chance die Artikel wirklich zu lernen. Je häufiger du den falschen Artikel benutzt, umso mehr gewöhnst du dich an das Falsche, und umso mehr verfestigt er sich.

Wenn du Deutsch wirklich richtig lernen willst, musst du auch die Artikel richtig lernen und zwar von Anfang an.

3. Kann man denn die Artikel wirklich richtig lernen?

Das werden wir oft von Deutschlernern gefragt. Unsere Antwort ist „Ja. JEDER kann die Artikel richtig lernen – ohne Ausnahme“. Und jetzt fragst du bestimmt, wie das möglich ist. Zunächst einmal gibt es ziemlich klare Regeln für die meisten Nomen. Die Regeln mit jeweils einem Beispiel findest du im folgenden Abschnitt:

​​​​✅​​ Deutsche Artikel-Regeln

Jedes Beispiel in den oberen Boxen gehört zu einer Regelkategorie in den unteren Boxen. Welche Beispiele passen zu welcher Kategorie? Sende uns deine Antworten und gewinne 1 gratis Session zum Deutschlernen:

Test 1: Welches Beispiel gehört zu welcher Kategorie? z.B. „der Sommer“ gehört zur Kategorie „Wetterwörter“.

DER

Audi – Sensor – Spaziergang – Kuchen Optimismus – Opa – Besuch – Frisör – Sommer – Norden – Regen – Schmetterling Wein – Musikant – Sonntag – Teller – Essig

DIE

Tasche – Freiheit – Kultur – Bäckerei – Musik – Zeitung – Ästhetik – Frau – Universität – Yamaha – Mannschaft – Eins – Diskussion – Marlboro Serie – Möglichkeit – Frisörin -Arbeit

DAS

Grün – Blei – Englisch – Kabinett- Gramm – Mädchen – Reptil – Eigentum – Drittel – Häuslein – Laufen – Zeugnis – Neue – Konto – Thema – Museum – Komma

männliche Personen, Berufsnamen für Männer, Jahreszeiten, Wetterwörter, Alkohol, Himmelsrichtungen, Monate, Wochentage, (außer „das Bier“), Infinitiv minus -n, Nomen vom Partizip minus –n, Automarken

Endungen: ant, er, ling, ig, or, us, ismus, en

weibliche Personen, Zahlen, Berufsnamen für Frauen, Motorradnamen  

Endungen: e, t, ei, heit, keit, ie, ik, ion, schaft, tät, ung, ur

Farben, Sprachen, Maßeinheiten, Infinitiv als Nomen, Metalle + chemische Elemente, viele Fremdwörter aus dem Lateinischen, Bruchzahlen, Adjektive als Nomen mit -e

Endungen: o, chen, lein, ett, -ma, um, tum, il, ment, nis (95%)

Test 2: Welchen Artikel haben diese Wörter?

______ Verb, ____ Ingenieur, ____ Schwierigkeit, ____ Herausforderung, ____ Aha-Erlebnis, ____ Achtel, ____ VW, ____ Vertrauen, ____ Flug, ____ Mäppchen, ____ Versuch, ____ Winter, ____ Rot, ____ CO2, ____ Schnee

4. Warum ist es trotz Regeln so schwer die Artikel zu lernen?

Obwohl das Deutsche Artikel-Regeln hat, ist es für viele schwer, die korrekten Artikel zu lernen. Regeln vereinfachen zwar normalerweise das Lernen. Aber es gibt ein paar Punkte, die die Sache besonders tricky machen. Hier sind die 4 wichtigsten Gründe:

5. Wie lernen Muttersprachler eigentlich die deutschen Artikel?

Um dir zu zeigen, wie du dein Gehirn trainieren kannst, damit du die Artikel so spontan abrufen kannst wie ein*e Muttersprachler*in, schauen wir uns erstmal an, wie WIR denn die Artikel gelernt haben.

Wir haben sie immer wieder gehört und immer wieder benutzt, bis wir sie einfach automatisch richtig hatten. Sonst nichts. Du wendest hier vielleicht ein, dass die Muttersprachler es ja immer einfacher haben, eben weil sie die Sprache schon so früh gelernt haben. Richtig, aber unsere Lernfähigkeit bleibt uns bis ins hohe Alter erhalten. Du kannst also rein theoretisch die Artikel auch noch richtig lernen, wenn du 99 bist. Nur halt langsamer.

Es gibt EINEN entscheidenden Punkt, der bei Kindern und Erwachsenen gleich ist: Mit jedem Artikel, der zu dem Nomen gehört, ist der Bezug von Artikel zur realen Sache meistens immer direkt dabei. Und diese Sache kann man meistens sehen, hören, fühlen, riechen oder schmecken. Das heißt, wenn ich sage „Der Käse ist aber lecker!“, dann spreche ich über den Käse, der da direkt auf meinem Brot ist. Ich habe also einen direkten Bezug. Und wenn es etwas Abstraktes ist, wie in „Ich verstehe das Thema nicht“, dann ist das Thema das, worüber wir gerade sprechen oder gesprochen haben. Und genau diese Verbindung ist das, was die „Artikel-Neuronen“ stärkt und uns hilft, den Artikel irgendwann automatisch abzurufen.

Aber wie gesagt: Es braucht Zeit, Geduld und Übung. Daher ist das Allererste, wie du starten solltest:

Lerne die Artikel ab dem ersten Tag. Und wenn du schon länger Deutsch sprichst und noch immer mit den Artikeln Probleme hast, beginne JETZT IN DIESEM MOMENT, sie wirklich richtig zu lernen.

6. 5 TOP-Tipps, wie du die Artikel wirklich lernst

Hier sind unsere 5 TOP-TIPPS, wie du die Artikel wie ein Muttersprachler oder eine Muttersprachlerin lernst:

TIPP 1

​​​ ​​🎯 ​​Ist das Wort relevant für deinen Alltag?

Lerne zuerst Wörter, die du in DEINEM Alltag brauchst. Wenn du z.B. Architekt*in bist, wirst du wahrscheinlich die Wörter „der Grundriss“ und „die Fassade brauchen“, als Mutter oder Vater, die täglich ihre Kids in die Kita bringen, sind es vielleicht die Wörter „das Spielzeug“ und „der Spielplatz“, als Jobsuchende*r könnten es die Wörter „der Lebenslauf“ und „das Vorstellungsgespräch“ sein. Auch wenn du noch kein Deutsch kannst, lerne deine ersten Wörter direkt mit den Artikeln und wiederhole sie Tag für Tag mehrmals – egal ob es Anfängerwärter sind oder welche für Fortgeschrittene. Wichtig ist nur, dass es nicht zu viele Wörter auf einmal sind. 3-5 pro Tag reichen.

TIPP 2

​​​🎯​ Sei auch mal emotional auf Deutsch

Lerne die Nomen und Artikel mit verschiedenen Emotionen. Sage das Wort, das du lernen möchtest einmal ärgerlich, dann traurig, anschließend lachend, ironisch und wütend, tu so, als ob du frierst oder als ob dir heiß ist, als ob du Durst hast etc. Dadurch, dass du die Wörter ersten laut sagst, finden die Wörter+Artikel einen anderen, intensiveren Weg in dein Gehirn, als wenn du sie nur denkst. Diesen Prozess intensivierst und stärkst du, indem du sie mit unterschiedlichen Gefühlen behaftest. Was einem Wort haftet, haftet auch besser im Gehirn.

TIPP 3

​​​🎯​ Lerne die Artikel-Regeln

Lerne ALLE deutschen Artikel-Regeln in- und auswendig. Jeweils mit einem Beispiel. Z.B.

Diese Methode reduziert die Anzahl der Wörter, die man einzeln lernen muss.

TIPP 4

​​​🎯​ Mal die Wörter bunt

Nimm für jeden Artikel eine andere Farbe: z.B. pink für feminin, blau für maskulin, grün für neutrum. Und das wendest du für ALLE Nomen an und schreibst sie in dein Heft –  genauso bunt. Das funktioniert gut, weil du dann das Nomen mit der Farbe verbindest und sich diese Kombination in deinem Kopf abspeichert. Wenn du dir Dinge gut merken kannst, wenn sie visuell attraktiv sind, ist das deine Super-Methode.

TIPP 5

​​​🎯​ Baue dir persönliche Eselsbrücken

Eine Eselsbrücke ist eine persönliche mentale Hilfe, um sich etwas zu merken. Einem Französisch-Sprecher kann es helfen, dass es im Deutschen „der Mond“ und „die Sonne“ ist und im Französischen genau umgekehrt ist: „la lune“ und „le soleil“. Oder „Sieb“ beginnt mit „S“ und der Artikel „das“ endet mit „s“, also „das Sieb“. Oder wenn du ein Wort in einer bestimmten Situation hörst, schreibe dir die Situation in einem Stichpunkt auf. Z.B. du bist im Dönerladen und hörst einen Kunden sagen „Einen Döner ohne Kraut“ und du fragst den Verkäufer „Was heißt ohne Kraut?“. Er gibt dir die Erklärung und zu Hause schreibst du auf „ohne Kraut – Dönerladen, Kunde“, weil du selber auch „kein Kraut“ magst und es deshalb relevant für dich ist. So kannst du jedes Mal in einen Dönerladen gehen und deinen Wunsch auf Deutsch sagen: Einen Döner ohne Kraut. Das kannst du dann verlängern mit „ohne Scharf“ oder „mit Joghurtsoße“.

Und nicht vergessen: Es braucht Zeit, Geduld und regelmäßig Übung.

Viel Spaß beim Lernen!


Buesra Tas Lehrerin für Deutsch bei Sprachpassion Sprachschule Frankfurt

Büşra ist Lehrerin im Team bei SprachPassion. Ihre Muttersprachen sind Türkisch und Deutsch.


Franziska Becker im B1 Deutschkurs am Vormittag erklärt das Perfekt

Franziska

Gründerin von SprachPassion mit einem tollen Team an Lehrerinnen, die dir die Sprache mit Leidenschaft beibringen. Lass uns doch mal sprechen! Hier Kontakt aufnehmen.


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