Ist Deutsch schwierig zu lernen? Nein – wenn du diese 3 Fehler vermeidest

Mann surft - schwierig zu lernen aber professionell

1.1 Warum ist Deutsch schwierig zu lernen?

Viele Menschen finden, dass Deutsch schwieriger zu lernen ist als andere Sprachen. Ist das wirklich so? Nun, es gibt tatsächlich einige Eigenheiten im Deutschen, die andere Sprachen nicht haben. Drei der größten Schwierigkeiten für Sprachlernende habe ich dir hier zusammengefasst:

Schwierigkeit 1: Das Deutsche hat 3 Artikel: der, die und das. Alle drei Artikel haben unterschiedliche Formen

Du musst also für jedes Nomen den entsprechenden Artikel mitlernen. Außerdem musst du wissen, wann man die unterschiedlichen Formen braucht.

Schwierigkeit 2: Die beiden besonderen Positionen des Verbs

In vielen anderen Sprachen steht das konjugierte Verb auf einer anderen Position als im Deutschen. Dadurch ist für viele Nicht-Muttersprachler die Position im Satz nicht intuitiv und sie setzen das Verb automatisch an die falsche Stelle.

Schwierigkeit 3: Das Deutsche hat trennbare Verben

Hier wird es gleich doppelt tricky: Zum einen spalten sich viele Verben auf. Zum anderen bekommen Verben wie „machen“ mit jeder Vorsilbe (z.B. an, aus, auf, zu) eine andere Bedeutung. Diese Bedeutung muss gelernt werden. Und im Deutschen gibt es eine Menge solcher Verben.

1.2 Warum ist es für manche Menschen schwieriger Deutsch zu lernen als für andere?

Es gibt Menschen, die finden Deutsch schwierig zu lernen, andere hingegen finden es einfach. Wie kommt es, dass sie das Lernen von Deutsch so unterschiedlich empfinden? Ob man eine Sprache schwierig findet, kann unterschiedliche Gründe haben. Hier sind die 3 häufigsten Gründe:

⚡​ Die eigene Muttersprache kann beeinflussen, ob man Deutsch als schwierig empfindet

Vielleicht hat deine Sprache keine Artikel, deshalb vergisst du sie vermutlich im Deutschen oft. Vielleicht unterscheidet deine Muttersprache nicht zwischen [R] und [L]. Das ist z.B. im Chinesischen oder Japanischen der Fall. Sie hören sich für dich gleich an: z.B. „Rose“ und „Lose“.

Vielleicht hat deine Sprache keine Artikel, deshalb vergisst du sie vermutlich im Deutschen oft. Vielleicht unterscheidet deine Muttersprache nicht zwischen [R] und [L]. Das ist z.B. im Chinesischen oder Japanischen der Fall. Sie hören sich für dich gleich an: z.B. „Rose“ und „Lose“.

⚡​ Deutsch ist deine allererste Fremdsprache

Wenn Deutsch deine erste Fremdsprache ist und du das Lernen nicht gewohnt bist, musst du überhaupt erstmal lernen, eine Fremdsprache zu „lernen“. Dann sind für dich Wörter wie „Akkusativ“ und „Konjunktiv“ noch Neuland. Du musst erstmal verstehen, was genau damit gemeint ist, bevor du die entsprechende Grammatik angehen kannst.

⚡​ Du hast ein negatives Mindset

Unsere Kunden sagen häufig zu uns:

„Ich hab gehört, dass Deutsch schwer ist.“

Wir erklären ihnen dann, dass jeder Mensch eine andere Lern- und Sprachbiografie hat. Ob jemandem Deutschlernen schwerfällt, ist individuell. Es hängt auch stark vom Mindset ab, also von deiner Einstellung, mit der du das Sprachenlernen angehst.

Du solltest diesen Gedanken von „Deutsch lernen ist schwer“ nicht zu viel Raum geben, denn dann richtest du dein ganzes Denken und dein Lernen darauf aus und machst dir das Deutschlernen schwerer, als es in Wirklichkeit ist.

Zwei weitere Sätze, die wir in unseren Deutschkursen häufig hören, sind:

„Ich trau mich nicht, Deutsch zu sprechen. Aber ich kann ja einfach erstmal auf Englisch sprechen, das geht schneller.“

Glaub mir: Aufschieben bringt nix. Dadurch bringst du dein Hirn nur in eine Warteposition. Und während du wartest, geht deine innere Dynamik verloren: Mit „Geht ja auch ohne“ bremst du deinen anfänglichen inneren Drang aus, Deutsch zu lernen. Das Nicht-Deutschsprechen gehört dann immer mehr zu deinem Alltag.

Und ich kann dir aus Erfahrung sagen: So lernst du die Sprache nie.

2. Deutsch lernen ist weniger schwierig, wenn du diese 5 Dinge beachtest

Hier gebe ich dir 5 der wichtigsten Empfehlungen an die Hand, die du beachten solltest, damit Deutschlernen weniger schwierig ist. Es geht dabei nicht darum, so viel wie möglich Zeit zu investieren, sondern dass du es regelmäßig und kontinuierlich machst und dass du das Deutschlernen in deinen Alltag einbaust. Denn so bekommt Deutsch für dich Normalität und kann sich in deinem Hirn langsam, aber stabil aufbauen.

​​​✅​​ Lerne jeden Tag 2-5 neue Wörter.

5 neue Wörter pro Tag sind kein Hexenwerk – und alles lernt sich leichter, wenn es Teil unseres Alltags ist. Du könntest z.B. mit Wörtern rund ums Essen starten.

Schreibe dir dafür bei deinem nächsten Supermarkt-Besuch Produkte auf Deutsch auf (z.B. Nudeln, Käse, Fleisch). Mach Fotos davon und sage die Wörter laut in Verbindung mit den Fotos. Sage sie auch, wenn du kochst und wenn du zusammen mit jemandem isst. Wenn du dich sicherer fühlst, bilde mit den Wörtern kurze Sätze.

​​​✅​ Vermeide es, die englische Übersetzung direkt neben das deutsche Wort zu schreiben.

Behalte deinen Fokus immer auf dem Deutschen. Wichtig: Lies das deutsche Wort nicht nur leise vor dich hin, sondern sage es laut.

Die englische Übersetzung solltest du beim Lernen verdecken. Schau sie dir nur zur Kontrolle an. Aber auch dann: Sage das englische Wort nicht laut. 🌱​ Denn wenn du das machst, überrollst du das Deutsche, das ja gerade erst wie eine kleine Pflanze in deinem Kopf wächst.

​​​​✅​ Überwinde die Hürde, zu sprechen.

Je mehr du das Sprechen übst, desto kleiner wird die Überwindung, es zu tun – versprochen! Deshalb: Sprich jeden Tag mindestens 1 mal zu einer Person auf Deutsch. Du überwindest sie, indem du übst. Versprochen!

Du fragst dich, wie du das machen sollst, wenn du die Sprache noch nicht kannst? Mein Tipp: Beginne an Tag 1 mit der einfachen Begrüßung „Hallo, wie geht’s?“ Am nächsten Tag nimmst du dir vor, etwas Anderes zu sagen. Und am übernächsten Tag sagst du wieder etwas Neues.

​​​​✅​ Hab Mut!

Lass dich nicht entmutigen, wenn du was nicht verstehst. Du MUSST etwas nicht verstehen, damit du es DANN lernen kannst. So geht Lernen.

1. Schritt: Wenn du etwas nicht verstehst, ist mein erster Tipp: Keine Panik! Frage nach. Das kannst du mit der Frage „Wie bitte?“ machen. Wenn du es dann immer noch nicht verstehst, bitte die Person es aufzuschreiben. Dann kannst du es übersetzen.

2. Schritt: Du kannst die Person auch bitten, dir zu ZEIGEN was sie meint (z.B. mit Pantomime oder Objekten). Wenn du es auch dann nicht verstehst, kannst du auch einfach nichts tun. Das Verstehen wird schon kommen. Wenn nicht jetzt sofort, dann ein bisschen später. Auch wenn es dir schwerfällt zu akzeptieren, dass du etwas nicht verstehst, davon geht die Welt nicht unter. Du könntest in so einer Situation einfach antworten „Tut mir leid, ich verstehe dich nicht. Aber das ist okay.“

3. Schritt: Wenn die Person auch Englisch oder deine Muttersprach spricht, könnte sie es übersetzen. Aber hier solltest du vorsichtig sein: Du wirst dich sehr schnell an das Übersetzen gewöhnen und willst wahrscheinlich immer gleich, dass die andere Person es übersetzt. So ist dein Fokus wieder auf dem Englischen und die kleine Deutsch-Pflanze in deinem Hirn kann nicht wachsen.

​​​​✅​ Bleibe immer aktiv!

Versuche das, was du gelernt hast, immer auch aktiv zu benutzen. Denn genau das bedeutet „sprechen“! Wenn du nicht aktiv sprichst, lernst du Deutsch nur passiv. Dann werden dir spontane Gespräche immer schwerfallen – und der gesamte Lernprozess dauert länger.


3. 4 Tipps, die dir den Einstieg ins Deutschlernen erleichtern

Was kannst du noch tun, damit du dir das Deutschlernen vereinfachst?

​🎯 ​Formuliere positive Gedanken zum Deutschlernen

Wenn du mit positivem Mindset ans Lernen herangehst, wird dir die Sprache viel leichterfallen – und du lernst sie auch schneller. Versuch deshalb, dir jeden Tag mindestens einen der drei folgenden Sätze zu sagen:

​“Ich finde, dass Deutsch leicht ist.“

„Ich traue mich, Deutsch zu sprechen.“

„Ich kann noch nicht sehr viele Wörter. Trotzdem versuche ich, jeden Tag ein bisschen Deutsch zu sprechen – und dann immer mehr.“

​🎯​ Tauch in die Sprache ein

Geh in eine Kneipe. Spazier über den Wochenmarkt. Triff Leute. Auch wenn du die Sprache (noch) nicht richtig verstehst, empfehle ich dir: Such dir Situationen, in denen du deutschsprachigen Menschen zuhören kannst. Beobachte die Menschen auch und achte auf ihre Gestik und Mimik. Du wirst sehen: Irgendwann kommt der Punkt, an dem du plötzlich Wörter, Sätze und Zusammenhänge verstehst, die du vorher nie verstanden hast. Freu dich drauf!

​🎯​ Mach dir selbst Komplimente

Sei jeden Tag stolz auf das, was du auf Deutsch gemeistert hast. Und wenn es nur ein einziges Wort war, das du gelernt, verstanden oder angewendet hast. Erkenne jedes kleine Stück Deutsch für DICH an.

​🎯​ Mach das, was dich interessiert

Was machst du denn gern in deiner Freizeit? Liest du gern Krimis? Oder blühst du bei der Gartenarbeit auf?

Dann geh doch mal in einen Buchladen und schau dir die Titelbilder von Büchern an. Mach ein Foto von einem Cover und übersetze den Titel. Du musst das Buch nicht kaufen, du musst es nicht lesen. Es geht um den ersten Schritt, um mit Deutsch in Kontakt zu kommen. Dabei helfen dir deine Passionen.

4. Diese 5 Hilfsmittel helfen dir, wenn du Deutsch lernen willst.

Es gibt sehr viel Material zum Deutschlernen. Wie kannst du das beste für dich finden? Hier sind meine besten Tipps:

Extradeutsch

Die Youtube-Soap zeigt auf lustige Weise den Alltag und spielt dabei mit Klischees. Leichter Genuss ab Anfängerniveau. Enjoy!

Deutschtrainer / Nicos Weg

Auf den Internetseiten der Deutschen Welle gibt es einen Fundus an Online-Materialien, die du – egal ob in der Bahn oder auf der Couch als Deutsch-Snack für zwischendurch bearbeiten kannst. Macht Spaß und vertreibt die Zeit:

Grammatik

Das Buch mit dem Titel „Grammatik“ klingt erstmal staubtrocken. Ich empfehle es dir trotzdem, denn Grammatik ist das Gerüst einer Sprache. Lerne sie lieber von Anfang an richtig, dann sparst du dir viel Arbeit in den höheren Stufen:

5. Diese 3 Fehler solltest du vermeiden

​​​❗​ Fehler 1: Du klebst an der englischen Übersetzung

Viele beißen sich daran fest, dass ein deutscher Satz eine genaue Übersetzung im Englischen haben muss, damit sie ihn verstehen.

Direkte Übersetzungen sind bei einzelnen Wörtern hilfreich – aber nicht bei ganzen Sätzen. Wenn du einen Satz direkt übersetzt, dann versuche nicht, jedes übersetzte Wort einzeln zu verstehen. Nimm stattdessen den Satz als Ganzes und lerne ihn in seinem Kontext.

Ein Beispiel:

„Wie geht’s dir?“ „Mir geht’s gut.“

Szenario 1

Viele denken bei der Antwort an das englische Pendant „I’m fine“ und glauben, die deutsche Antwort sei „Ich bin gut“. Sie trainieren sich diesen Fehler an und merken nicht, dass die Deutschen es ganz anders sagen.

Szenario 2

Andere lernen den korrekten Satz („Mir geht’s gut“), sagen ihn aber trotzdem immer wieder falsch – weil die Struktur anders ist als im Englischen. Und weil ihr Fokus auf dem Englischen liegt, verinnerlichen sie sich nicht die deutsche Version.

Szenario 3

Nehmen wir die folgende Situation: Viele lernen im Unterricht während des Dialogs „Wie geht’s dir?“ „Mir geht’s gut“ die richtige Antwort. Aber sie bleiben bei der Frage hängen „‚Mir geht’s gut‘ – Was bedeutet das jetzt?“, weil sie denken, dass sie zuerst die englische Übersetzung brauchen, um den Satz zu verstehen. Obwohl die Bedeutung in der Situation klar ist. Nur ist der Drang, dass sie den Satz übersetzen müssen, so stark, dass sie meinen, ihn nicht zu verstehen. Das Denken „Ich brauche erst die Übersetzung“ blockiert deinen Lernprozess leider komplett.

​​​❗​ Fehler 2: Du fragst ständig nach dem Warum

Viele Lernende versuchen, hinter jedem Satz herauszufinden, warum man ihn so sagt. Sie denken, dass sie ihn dann verstehen.

Ein Beispiel, das wir oft in unseren Kursen hören:

Warum sagt man im Deutschen „Mir geht’s gut“? Im Englischen sagt man doch auch „Ich bin gut“.

Das kann ja sein, aber die Frage bringt nix.

Englisch ist nicht das Regelwerk für alle anderen Sprachen. Genauso könnte man sich ja auch fragen: „Warum sagt man im Englischen nicht ‚Mir geht’s gut’“?

Und wie sagt man es denn in deiner Muttersprache? Vielleicht heißt es dort nochmal ganz anders.

Mit der Frage „Warum?“ fährst du gedanklich in eine Sackgasse. Nimm manche Sätze und Redewendungen einfach so hin und hör auf, sie zu hinterfragen. Damit machst du dir das Lernen unnötig schwer.

​​​❗​ Fehler 3: Du denkst „Deutsch ist schwieriger als Englisch“

Wie oft höre ich das! Und wie blockierend ist dieser Denkansatz. Denn eigentlich ist es Unsinn.

Die meisten Menschen haben Englisch als erste Fremdsprache gelernt, als Kind oder Teenager. Sie kennen Englisch also schon viel länger als Deutsch. Deshalb sind die Englisch-Neuronen einfach viel stabiler und die Sprache kommt einem viel einfacher über die Lippen. Und deshalb kommt es einem einfacher vor.

Deutsch hingegen lernen viele erst im Erwachsenenalter. Die Deutsch-Neuronen müssen sich erst noch aufbauen.

Es kommt einem also nur so vor, als ob Englisch leichter ist. Aber man kann nicht daraus schließen, dass Englisch eine leichtere Sprache ist.

6. Ist Deutsch wirklich schwierig zu lernen? Meine persönliche Einschätzung

Das Deutsche hat seine Eigenheiten, richtig. Aber jede Sprache hat das. Ich finde nicht, dass Deutsch schwierig zu lernen ist.

Es gibt Sprachen, die sind schwieriger zu lernen und zu sprechen.

3 Beispiele:

Im Englischen spricht man nur ca. 10 Prozent der Wörter so aus, wie sie geschrieben werden. Für viele ist das eine echte Hürde.

Das Italienische hat 5 Vergangenheitsformen, Spanisch und Französisch haben 4. Deutsch hat nur 3 Vergangenheitsformen.

Russisch hat 6, Finnisch 15 Fälle. Das Deutsche hat nur 4 Fälle.

Mein Tipp: Akzeptiere Deutsch wie es ist. Das erleichtert dir das Lernen enorm. Und diese verflixten deutschen Artikel kann man lernen. Versprochen 💚​!

Wie du sie lernen kannst, erfährst du hier:

Franziska Becker im B1 Deutschkurs am Vormittag erklärt das Perfekt

Franziska

Gründerin von SprachPassion mit einem tollen Team an Lehrerinnen, die dir die Sprache mit Leidenschaft beibringen. Lass uns doch mal sprechen! Hier Kontakt aufnehmen.


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